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VDI nachrichten: "Beteiligungskapital sichert Wettbewerbsfähigkeit"

Private Equity: Spezialisierte Gesellschaften geben Unternehmen, die bei Banken vor verschlossenen Türen stehen, neue finanzielle Spielräume. Die Private-Equity-Branche wird in Deutschland noch immer misstrauisch beäugt. Vor allem der Heuschrecken-Vergleich von SPD-Chef Franz Müntefering hat den Kritikern Rückenwind gegeben. Thomas U. W. Pütter, Vorstandschef des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), glättet im Interview die Wogen und zeigt Vorteile der alternativen Finanzierung auf - speziell für Mittelständler.

VDI nachrichten: Herr Pütter, traf Sie der Heuschreckenvergleich persönlich?

Pütter: Nein, nicht wirklich. Ich fand die Diskussion aber höchst bedauerlich. Die Tatsache, dass die größte Exportnation der Welt darüber diskutiert, Kapital aus dem Ausland abzulehnen, ist absurd. Wir machen uns lächerlich. Der Begriff "Heuschrecke" steht ohnehin im Gegensatz zu dem, was auf den Arbeitsebenen der Regierungsparteien seit längerem befürwortet wird. Offensichtlich hat die Politik längst erkannt, wie wichtig Private Equity für unser Land ist. Allein die im BVK organisierten Gesellschaften unterstützen etwa 5500 Unternehmen mit weit über 600 000 Arbeitnehmern.

VDI nachrichten: Welche Vorteile bietet Private Equity (PE) den Unternehmen?

Pütter: Laut Bundesbank liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote der gesamten deutschen Industrie bei rund 18 %. Im Mittelstand liegt sie noch deutlich darunter - etwa bei 11 %. Gemessen an anderen Ländern fehlen den kleinen und mittleren Unternehmen somit rund 300 Mrd. €. Im internationalen Wettbewerb ist das ein Nachteil. Denn Eigenkapital stellt einen Risikopuffer dar. Schwächephasen können damit besser überwunden werden.

VDI nachrichten: Laut einer IHK-Umfrage in Bayern fürchtet jedoch jeder zweite Mittelständler, nach Einstieg einer PE-Gesellschaft nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein.

Pütter: Bei diesen Befürchtungen wird vergessen, dass PE den Unternehmen nicht aufgezwungen wird. PE-Investitionen basieren auf privaten Vereinbarungen, die vorher verhandelt wurden. Im Beteiligungsvertrag können sämtliche Mitsprache-, Veto- und Kontrollrechte geregelt werden. In unserem Geschäft sind feindliche Übernahmen nicht sinnvoll. Ich lade alle Mittelständler ein, sich etwa auf der BVK-Webseite über potenzielle Geldgeber zu informieren.

VDI nachrichten: Trotzdem spielt PE in Deutschland eine vergleichsweise kleine Rolle. 2004 erreichten alle Investitionen in Summe ein Volumen von nur 0,17 % des BIP. In Großbritannien war der Anteil fünf Mal so groß.

Pütter: Das hat historische Ursachen. PE in der angelsächsischen Form, d.h. mit spezialisierten Kapitalsammelstellen, gibt es hier erst richtig seit Anfang der 90er Jahre. Die Bedeutung der Branche wird auf jeden Fall noch wachsen. Schließlich ist die Nachfrage nach Beteiligungskapital hoch. Nicht umsonst liegt Deutschland derzeit klar im Fokus ausländischer Gesellschaften.

VDI nachrichten: Stimmen die Rahmenbedingungen, damit sich auch in Deutschland Fonds ansiedeln?

Pütter: Noch nicht. Leider wird die Frage, ob ein einzelner Private-Equity-Fonds als vermögensverwaltend oder als gewerblich einzustufen ist, von den Finanzbehörden noch immer erst im Nachhinein entschieden. Zum Start des Fonds ist es für die Investoren also unklar, wie hoch ihre Gewinne in der Zukunft besteuert werden. Eine solche Unsicherheit gibt es in Luxemburg nicht. Dieses Problem ist aber parteiübergreifend erkannt worden. Ich bin zuversichtlich, dass hier bald eine Lösung gefunden wird.

VDI nachrichten: Die Mittelzuflüsse in PE-Fonds explodieren. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft Avida Advisers verfügen die 6000 Beteiligungsfonds der Welt über ein Vermögen von rund 2 Bill. €. Die britische CVC Capital Partners hat gerade für einen einzigen Buy-Out-Fonds 6 Mrd. € eingesammelt. Droht eine Blase?

Pütter: Eine Blase gibt es nur, wenn auf Grund eines hohen Anlagedrucks irrational gehandelt wird. Das sehe ich aber nicht. Es mehren sich die Fälle, in denen Fonds sogar Teile der ihnen angebotene Mittel ablehnen. Und sie tun gut daran. Denn der Selbstreinigungsmechanismus in der Branche ist brutal. Wer zu Beginn der 3- bis 5-jährigen Investitionsperiode nicht genau weiß, wo er das ihm anvertraute Geld investieren kann, wird meist nur geringere Renditen als die Wettbewerber erzielen können. Die Anleger werden ihm künftig ihr Vertrauen entziehen.

Wir beobachten derzeit allerdings wirklich Konditionenveränderungen. Der Anlageprozess wird deutlich verkürzt, die Verträge vereinfacht. Wir sind aber bei weitem noch nicht in einer irrationalen Welt.

VDI nachrichten: Angesichts der eingesammelten Kapitalberge könnten PE-Gesellschaften inzwischen sogar Dax-Konzerne aufkaufen. Droht der Aktienkultur in Deutschland Schaden?

Pütter: Nein, absolut nicht. Die Fonds, in die ich Einblick habe, dürfen laut ihrer Statuten nicht feindlich übernehmen. Freundliche Übernahmen von gelisteten Unternehmen könnten allerdings vermehrt auftreten. Daran ist aber nichts Schlimmes. Schließlich kann niemand zum Verkauf gezwungen werden. Manager von Unternehmen, die vor dem Einfluss von Investoren warnen, müssen sich höchstens fragen lassen, ob sie alles richtig gemacht haben. Die Aktionäre verkaufen schließlich nur dann, wenn sie nicht mehr an die Firma glauben. Und überhöhte Preise werden die PE-Fonds ihnen bestimmt nicht zahlen.

VDI nachrichten: PE-Gesellschaften nehmen nicht nur Gesellschaften vom Parkett, sie haben in der Vergangenheit auch viele IPOs lanciert. Können die Anleger von diesen - zum Börsenstart aufpolierten - Firmen noch profitieren? Oder ist das Wertsteigerungspotenzial mittelfristig ausgeschöpft?

Pütter: Auf das Parkett wird nur gebracht, was erfahrene Fondsanalysten auf der vorhergehenden Roadshow begrüßen. Die können beurteilen, ob ein Unternehmen auf lange Sicht noch Potenzial hat. Winken sie ab, findet der Börsengang nicht statt. Außerdem gibt es stets einen Börsengangsdiscount: Neulinge werden niedriger bewertet, als vergleichbare, bereits gelistete Unternehmen. Sonst würde keiner die Aktien kaufen. Und nicht zuletzt haben PE-Gesellschaften auch ein Eigeninteresse daran, dass die Käufer "ihrer" Unternehmen glücklich werden. Wer einmal eine Niete verkauft hat, wird es beim nächsten Anlauf schwer haben.

VDI nachrichten: Einigen PE-Gesellschaften wird vorgeworfen, dass sie ihre Eigenkapitalrendite zu Lasten der aufgekauften Firmen erhöhen. Es wird kritisiert, dass sie nur einen kleinen Teil der Kaufsumme mit eigenen Mitteln bestreiten und das Gros mit Fremdkapital finanzieren. Die im Rahmen dieses "Leveraged Buy-Outs" (LBO) fälligen Zinsen werden - so der Vorwurf - den gekauften Unternehmen aufgeladen. Diese würden langfristig unter dieser Last zusammenbrechen.

Pütter: Das ist falsch. Die Eigenkapitalquote liegt bei einer LBO-Finanzierung meist zwischen 25 % und 40 % - also deutlich höher als in den übernommenen Firmen. Schon deshalb ist der Vorwurf ungerechtfertigt.

Vor allem aber hat jede PE-Gesellschaft zuerst das Wohl der aufgekauften Firmen im Sinn. Sie wird schließlich an der Wertsteigerung der Investitionsobjekte gemessen - nicht etwa an Dividendenausschüttungen. Um den Wert zu steigern, optimiert sie die Finanzstruktur innerhalb der Investitionsobjekte. Dazu wird ein individueller Plan erstellt. Er gibt wider, welcher Teil des erwirtschafteten Cashflows benötigt wird, um notwendige Umstrukturierungen durchzuführen. Alles, was nach Abzug der Investitionen und Steuern übrig bleibt, wird idealerweise zur Schuldentilgung genutzt. Denn Schuldentilgung ist das betriebswirtschaftliche Äquivalent zum Aufbau von Unternehmenswert.

Die Kritik ist auch deshalb unangemessen, weil die Zinslast bei Vertragsabschluss feststeht. Niemand wird gezwungen, einen Beteiligungsvertrag zu unterzeichnen. Die Zinslast wirkt disziplinierend, sich an die vertraglichen Vereinbarungen zu halten.


Thomas U.W. Pütter,
geboren 1958, ist seit März 2005 Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Seit 1998 leitet Pütter außerdem die Geschicke der Münchner Allianz Capital Partners (ACP) GmbH. Davor arbeitete er als Investment Banker in London, u. a bei Deutsche Bank Capital Markets und Swiss Bank Corporation International Ltd. Seine letzte in London bekleidete Position war die des Executive Director bei Goldman Sachs International. Hier war er u. a. für die Private Equity-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum zuständig. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Private Equity (PE) ist...
ein Oberbegriff für verschiedene Formen von Beteiligungskapital. Je nach Alter der finanzierten Unternehmen unterscheidet man zunächst zwischen Seed-, Start-up-, Wachstums- und Bridgefinanzierung. Im ersten Stadium wird das Geld zur Umsetzung einer Idee genutzt. Im letzten Stadium geht es um die Vorbereitung und Finanzierung eines Börsengangs. Häufig werden mit PE auch Buy-Outs finanziert. Beim so genannten Management-Buy-Out (MBO) kaufen Teile des bisherigen Managements mit Hilfe von PE die Firma. Beim Leveraged-Buy-Out (LBO) erwerben PE-Gesellschaften mit Hilfe zusätzlichen Fremdkapitals selbst das Unternehmen, strukturieren es unter der Maxime der Wertsteigerung um und veräußern es wieder. Dieser Aspekt des PE wurde zuletzt stark kontrovers diskutiert.

PE kommt auch für solche Vorhaben in Frage, die von Banken wegen des hohen Risikos abgelehnt werden. Die von den PE-Gebern investierten Gelder sind nicht besichert. Dafür muss der Kapitalempfänger dem Kapitalgeber Mitspracherechte einräumen und ihn am unternehmerischen Erfolg beteiligen.Größere Renditen erzielen die PE-Gesellschaften allerdings durch die Weiterveräußerung der Firma. Käufer können dann andere Firmen oder auch andere PE-Gesellschaften sein. Der Königsweg des Ausstiegs ist jedoch der Börsengang.

Stefan Asche (VDI nachrichten)

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