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Private-Equity-Anleger schichten angesichts dramatisch fallender Renditen massiv um

Wie das Ergebnis des jüngsten "Global Private Equity Barometer" von Coller Capital zeigt, sind institutionelle Private-Equity-Investoren (Limited Partners) gerade dabei, ihre Portfolien drastisch umzuschichten. Sie reagieren damit auf die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie auf die dramatisch gesunkenen Gesamtrenditen in dieser Anlageklasse.

Der Anteil der Anleger, die über die Gesamtlaufzeit ihrer Private-Equity-Investments weniger als 11 Prozent Rendite erwirtschaftet haben, ist sprungartig auf 51 Prozent gestiegen. In 2009 lag dieser Anteil bei nur 29 Prozent, in 2008 sogar bei nur 22 Prozent.

Trotz dieses Renditerückgangs haben die Investoren das Vertrauen in Private Equity nicht verloren. Im nächsten Jahr wollen 20 Prozent der Befragten den Private-Equity-Anteil ihres Gesamtportfolios erhöhen; lediglich 13 Prozent der Befragten planen, ihren Anteil zu reduzieren. Vor einem Jahr war dieses Verhältnis erstmals umgekehrt: Damals wollte die Mehrzahl der Investoren ihren Private-Equity-Anteil reduzieren. Zudem erwarten zwei Drittel (64 Prozent) der befragten LPs, dass sie innerhalb der nächsten 18 Monate deutlich mehr neue Mittel in Private Equity investieren werden. Allerdings werden sich in den nächsten zwei bis drei Jahren die Investment-Strategien rasant verändern:

- Zwei Fünftel (38 Prozent) der nordamerikanischen LPs planen, die Zahl ihrer Fondsmanager über die nächsten zwei Jahre zu verringern. Das Gleiche gilt für ein Fünftel der europäischen und asiatischen Investoren.
- Ausgebaut werden die Programme für direkte Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen. Die Hälfte der LPs (49 Prozent) ist in diesem Segment bereits aktiv, wobei 25 Prozent in eigener Verantwortung (das heißt nicht nur in Form von Co-Investments) investieren. Für die nächsten drei Jahre planen 41 Prozent der befragten institutionellen Anleger mehr direkte Investitionen.
- Kurzfristig sollen die Investitionen im asiatisch-pazifischen Raum deutlich erhöht werden. Unter den europäischen LPs wird der Anteil derer, die mehr als 10 Prozent ihres Private-Equity-Portfolios in Asien investiert haben, in den nächsten drei Jahren von aktuell 16 Prozent auf 38 Prozent steigen. Bei den nordamerikanischen Anlegern wird dieser Anteil innerhalb der nächsten drei Jahre von 26 Prozent auf 41 Prozent zunehmen, bei asiatischen Investoren von 69 Prozent auf 87 Prozent.

"Man fragt sich natürlich, warum Anleger nach einem so drastischen Renditeverfall ihr Engagement in Private Equity aufrecht erhalten oder sogar steigern", räumt Jeremy Coller, Chief Investment Officer von Coller Capital, ein. "Die Antwort ist einfach: Private Equity ist nachweislich ein Geschäft, in dem Know-how und Erfahrung zählen - bei Investoren ebenso wie bei Fondsmanagern. Die Rezession und der Zusammenbruch der Kreditmärkte waren zwar eine schmerzvolle, jedoch hilfreiche Lernphase. So haben die Anleger vermutlich viele neue Einsichten gewonnen, die ihnen nun nützen - dies gilt sowohl für die Fähigkeiten verschiedener Fondsmanager als auch für die beste Strategie, diese Fähigkeiten optimal einzusetzen."

Herausforderungen für Private Equity

Investoren sehen die Branche mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die zukünftige Renditen aus Private-Equity-Anlagen beinflussen könnten. Eines davon betrifft Kreditverpflichtungen: Die meisten Anleger (84 Prozent) sehen in der Refinanzierung laufender Kredite aus Buyouts eine der zentralen Herausforderungen. Ein beträchtlicher Teil der Investoren macht sich über weitere Themen intensiv Gedanken, so zum Beispiel über die Auswirkungen zunehmend konservativer Kapitalstrukturen und Änderungen in der Zusammensetzung von Syndikaten verschiedener Kreditgeber. Auch Kosten und Verfügbarkeit von Kreditfinanzierungen für neue Buyouts machen Anlegern Sorge - jedoch erwarten hier zwei Drittel der Investoren aus den Industriestaaten bis Ende 2011 deutliche Verbesserungen.

Als weitere Herausforderungen gelten die operativen Fähigkeiten der Fondsmanager (General Partners). So wirft ein Drittel der LPs den Fondsmanagern fehlende Kompetenz für die Sanierung gefährdeter Portfolio-Unternehmen vor. Hinzu kommen weiterhin mögliche Änderungen bei den steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Mehr als ein Drittel der LPs erwartet daher eine niedrigere Rendite aus europäischen und nordamerikanischen Fonds.

Die Rolle der Regierungen

Die große Mehrheit der Private-Equity-Investoren spricht sich dagegen aus, dass Regierungen zur Anschubfinanzierung junger Unternehmen (Early Stage Financing) in Venture-Capital-Fonds investieren oder selbst solche Fonds auflegen. Unter den nordamerikanischen Anlegern sind dies 91 Prozent, bei den europäischen und asiatischen LPs rund 70 Prozent. Ihrer Meinung nach sollten sich Regierungen auf effektivere Instrumente (wie zum Beispiel Steuererleichterungen) konzentrieren.

Private Equity im deutschsprachigen Raum

"Im deutschsprachigen Raum hat die Private-Equity-Branche wie überall mit den massiven Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen", sagt Axel Hansing, Partner bei Coller Capital. "Große Deals werden zunächst weiter auf sich warten lassen, aber im mittelständischen Segment nutzen viele kluge Akteure diese Phase, um von einer stark finanztechnisch getriebenen Strategie aus den Zeiten billiger Kredite auf substantiell andere Geschäftsmodelle umzustellen, welche die Entwicklung und nachhaltige Wertsteigerung der Portfolio-Unternehmen im Fokus haben."

Coller Capital

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