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KfW/ZEW-Gründungspanel: Nicht allen verleiht der Aufschwung Flügel

Das starke Wirtschaftswachstum im Jahr 2010 und die gute Arbeitsmarktsituation haben sich auf wirtschaftsaktive Gründungen und junge Unternehmen unterschiedlich ausgewirkt: Im Jahr 2010 wurden häufiger solche Gründungen realisiert, die es in der Krise aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten vermutlich nicht gegeben hätte. Diese Gründungen waren weniger innovativ, weniger umsatzstark und schufen weniger Beschäftigung als Gründungen im Jahr zuvor. Die vor oder während der Finanz- und Wirtschaftskrise gegründeten Untenehmen profitierten vom Aufschwung. Dies sind Hauptergebnisse des KfW/ZEW-Gründungspanels, die Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, zusammen mit Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik am ZEW, und Michael Bretz, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, heute in Frankfurt vorstellte.

Trotz der guten Wirtschaftslage wurden von Gründungen des Jahres 2010 rund 90.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze (inkl. der Gründerpersonen) weniger geschaffen als im Vorjahr. Insgesamt waren es rund 460.000 Stellen. "Etablierte Unternehmen bieten tendenziell eine höhere Arbeitsplatzsicherheit sowie höhere Löhne. Daher waren neu gegründete Unternehmen für Arbeitssuchende im vergangenen Jahr weniger attraktiv. Für die Gründungen dürfte es daher schwerer gewesen sein, qualifizierte Arbeitnehmer für ihr Unternehmen zu finden", sagte Dr. Georg Licht.

Die kleinere Größe spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen wider: Die Gründungen erzielten im ersten Jahr ihres Bestehens im Durchschnitt einen Umsatz von 144.000 EUR, während es im Jahr zuvor noch 192.000 EUR gewesen waren. Sie waren zudem weniger innovativ: Lediglich 12 % der Gründungen des Jahres 2010 begannen ihre Geschäftstätigkeit mit der Einführung einer Marktneuheit, während es im Krisenjahr 2009 noch 16 % waren. Vermutlich haben viele neu gegründete Unternehmen aufgrund der günstigen makroökonomischen Nachfragebedingungen erwartet, auch mit bewährten Produkten genügend Kunden zu gewinnen.

Im Gegensatz zu den Gründungen profitierten Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr vom Wirtschaftsaufschwung. Sie wiesen höhere Umsätze auf als gleichaltrige Unternehmen ein Jahr zuvor (durchschnittlicher Umsatz 2010: 355.000 EUR, 2009: 300.000 EUR) und konnten ähnlich schnell Beschäftigung aufbauen wie gleichaltrige Unternehmen ein Jahr zuvor (durchschnittliche Anzahl vollzeitäquivalenter Stellen Ende 2010: 3,6 2009: 3,5). Allerdings haben die Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr ihre Innovationstätigkeit zurückgefahren und im Durchschnitt weniger für Forschung und Entwicklung ausgegeben (2010: 33.000 EUR, 2009: 41.000 EUR)

Das Investitionsklima für junge Unternehmen hat sich im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Mehr Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr haben investiert (2010: 64 %; 2009: 54 %), auch wenn sie ihr Investitionsvolumen im Vergleich zu den gleichaltrigen Unternehmen im Vorjahr nicht ausgeweitet haben (Median jeweils 10.000 EUR). "Damit junge Unternehmen gut gerüstet in die Zukunft aufbrechen können, sind Investitionen zum Aufbau eines Kapitalstocks erforderlich", sagte Michael Bretz. "Es ist daher eine gute Nachricht, dass junge Unternehmen im Jahr 2010 ihre Investitionsanstrengungen verstärkt und für positiven Schwung auf ihren jeweiligen Märkten gesorgt haben."

Erwartungsgemäß sind die Finanzierungsschwierigkeiten im vergangenen Jahr dank des Konjunkturaufschwungs zurückgegangen. Insbesondere die älteren Gründungskohorten hatten seltener Probleme bei der Beschaffung externer Finanzmittel. So ist der Anteil von Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr, die über Finanzierungsschwierigkeiten berichteten, um 4 Prozentpunkte auf 12 % gesunken. Gründungen hingegen klagten im vergangenen Jahr in nahezu identischer Intensität wie im Krisenjahr 2009 über Finanzierungsprobleme (2010: 23 %, 2009: 25 % der Gründungen).

"Neu gegründete Unternehmen haben keine Unternehmenshistorie und keine Evidenz der Marktakzeptanz - das macht die Fremdfinanzierung risikoreich und Kreditinstitute zurückhaltend. Dies gilt unabhängig der konjunkturellen Lage", sagte Dr. Norbert Irsch. "Daher ist ein verlässliches Förderangebot für Gründungen sehr wichtig - in guten und in weniger guten Zeiten -, damit neue Unternehmensprojekte und Ideen passende Finanzierungen finden."

In den kommenden drei Jahren planen 71 % der wirtschaftsaktiven jungen Unternehmen eine Umsatzausweitung. Allerdings stammt diese Einschätzung aus dem Befragungszeitraum des Frühsommers 2011. Vor dem Hintergrund der unübersehbaren Anzeichen für ein Ende des Aufschwungs dürfte sich dieses Bild eingetrübt haben, dennoch belegt es die positiven mittelfristigen Zukunftserwartungen der jungen Unternehmen.

Mit dem KfW/ZEW-Gründungspanel schaffen die KfW Bankengruppe, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und der Verband der Vereine Creditreform eine Datenbasis, die als erster Längsschnittsdatensatz in Deutschland die Entwicklung junger Unternehmen vom Zeitpunkt ihrer Gründung an über mehrere Jahre verfolgt und ein breites Spektrum unternehmens- und personenspezifischer Informationen bereitstellt. Grundlage der jährlich rund 6.000 Unternehmen umfassenden Stichprobe sind so genannte wirtschaftsaktive Gründungen (=Unternehmen, die entweder in das Handelsregister eingetragen sind, die für die Gründung auf Fremdkapital, Handelskredite oder Ähnliches zurückgegriffen haben oder die auf sonstige Weise aktiv in den Wirtschaftsprozess eingebunden sind). Die so erfassten Unternehmensgründungen sind tendenziell größer als diejenigen, die im breiten Gründungsgeschehen unter Berücksichtung von Gründungen im Nebenerwerb und Freiberuflern verzeichnet werden.

KfW

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