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Mittelstandskonjunktur: Krisenangst erfasst zunehmend auch die Binnenwirtschaft

Die anhaltend hohe Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone und die globale Wirtschaftsentwicklung hat die Stimmung im deutschen Mittelstand im August spürbar weiter nach unten gedrückt, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt: Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen ging um 3,4 Zähler auf nun 5,9 Saldenpunke zurück und sank damit bereits zum sechsten Mal in Folge. Die Krisenangst erfasst zunehmend auch die deutsche Binnenwirtschaft, wie ein Blick auf die Entwicklung der einzelnen Branchen signalisiert. So verzeichnete der lange überaus positiv gestimmte Einzelhandel im August die stärkste Klimaeintrübung aller Branchen.

Im August gingen beide Komponenten des mittelständischen Geschäftsklimas zurück. Die Urteile zur Geschäftslage verschlechterten sich um 2,8 Zähler auf 20,4 Saldenpunkte und erreichten damit ein Zweijahrestief. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sanken um 3,9 Zähler und liegen nun mit -8,3 Saldenpunkten noch weiter unter der Nulllinie. Niedriger notierte der Erwartungsindikator zuletzt vor gut drei Jahren - im Juli des schweren Rezessionsjahres 2009.

Auch bei den Großunternehmen trübte sich das Klima weiter ein (-1,4 Zähler auf 0,4 Saldenpunkte). Die Abwärtskorrektur der Lageurteile war exakt genauso groß wie im Mittelstand (-2,8 Zähler auf 16,2 Saldenpunkte). Die Geschäftserwartungen der Großunternehmen gingen demgegenüber kaum zurück (-0,4 Zähler auf -15,0 Saldenpunkte); jedoch hatten die dramatischen Verschlechterungen in den beiden Vormonaten sie bereits auf ein Dreijahrestief gedrückt.

Zu dem über alle Größenklassen hinweg schwindenden Zukunftsvertrauen und der Erwartung einer erheblich nachlassenden Geschäftsdynamik passt, dass auch die Beschäftigungserwartungen auf breiter Front nachgaben. Sie konnten sich zwar trotz erneuter Rückgänge in beiden Größenklassen noch im positiven Bereich halten (Mittelstand: -1,9 Zähler auf 6,9 Saldenpunkte; Großunternehmen: -1,0 Zähler auf 8,8 Saldenpunkte). Allerdings sind auch diese Indikatoren inzwischen auf Zweijahrestiefs gefallen, sodass der Arbeitsmarkt künftig eine deutlich schwächere konjunkturelle Schubkraft entwickeln wird als in den zurückliegenden beiden Jahren.

Möglicherweise hat das inzwischen immer klarer absehbare Abflachen des Aufschwungs am Arbeitsmarkt dazu beigetragen, dass im August der lange außergewöhnlich gut gestimmte Einzelhandel in beiden Größenklassen diejenige Branche mit den stärksten Klimaeintrübungen war (mittelständischer Einzelhandel: -8,4 Zähler auf 12,2 Saldenpunkte; Großunternehmen des Einzelhandels: -6,8 Zähler auf -2,1 Saldenpunkte). Wirklich nachvollziehbar ist dieses Ergebnis aber nicht: Insbesondere die Heftigkeit der Verschlechterung innerhalb nur eines Monats kontrastiert auffällig mit dem auch im August stabil positiven GfK-Konsumklima und den soliden Wachstumsimpulsen vom privaten Konsum noch im 2. Quartal. Der Klimaeinbruch im Einzelhandel kann deshalb auch als Signal gedeutet werden, dass eine diffuse Krisenangst immer mehr auch in der Binnenwirtschaft um sich greift.

Damit bauen sich am Konjunkturhorizont erhebliche Abwärtsrisiken auf. In ihrer aktuellen Konjunkturprognose setzt die KfW darauf, dass der private Konsum die Wirtschaftsentwicklung zumindest so weit stabilisieren kann, dass auch im zweiten Halbjahr 2012 moderat positive Quartalszuwächse beim BIP und damit ein kalenderbereinigtes Realwachstum von 1,0 % im Gesamtjahr erreichbar sind. Dies ist weiterhin das Hauptszenario der KfW. Denn angesichts des relativ schwankungsanfälligen Antwortverhaltens im Einzelhandel könnte es sich bei dem heftigen Einbruch um einen Ausreißer handeln, der bald korrigiert wird. Würde sich in den kommenden Monaten aber ein Abwärtstrend bei wichtigen Konsumindikatoren erhärten, dürfte die deutsche Konjunktur stärker abkühlen als erwartet.

KfW

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