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Geschäftsklima im Mittelstand: Rückgang trotz robuster Binnennachfrage

Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer signalisiert wie in den Vormonaten auch im Oktober eine nachlassende Dynamik, liefert aber keine Hinweise auf einen konjunkturellen Einbruch. Vielmehr lässt es erwarten, dass die deutsche Wirtschaft auch im vierten Quartal 2012 leicht wachsen wird. Das Geschäftsklima bei den kleinen und mittleren Unternehmen geht zum achten Mal in Folge zurück, und zwar um 1,1 Zähler auf 2,6 Saldenpunkte. Ausschlaggebend hierfür ist eine deutliche Verschlechterung der Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage (-4,0 Zähler auf 14,5 Saldenpunkte). Dennoch bleiben die Lageurteile im historischen Vergleich überdurchschnittlich gut. Die Geschäftserwartungen für die kommenden 6 Monate unterbrechen ihre Abwärtskorrektur (+1,5 Zähler auf -9,3 Saldenpunkte).

Die Entwicklung bei den Großunternehmen unterscheidet sich kaum von derjenigen im Mittelstand. Das Geschäftsklima sinkt um 2,3 Zähler auf -4,3 Saldenpunkte und zeigt damit einen unterdurchschnittlichen Konjunkturverlauf an. Deutlich rückläufig sind die Urteile der Großunternehmen zur aktuellen Lage (-7,4 Zähler auf 6,7 Saldenpunkte), während die Aussichten für die nächsten sechs Monate weniger pessimistisch eingeschätzt werden als noch im September (+2,2 Zähler auf -15,3 Saldenpunkte). Diese leichte Erholung nach der scharfen Abwärtskorrektur der letzten Monate ist jedoch zu schwach, um auf das gesamte Geschäftsklima durchzuwirken.

Aufgrund der stabilen Arbeitsmarktlage stützt der private Konsum das Wachstum in Deutschland. Dazu passt, dass sich das Geschäftsklima des Einzelhandels in beiden Größenklassen im Oktober wieder verbessern kann. Insbesondere die mittelständischen Einzelhändler präsentieren sich deutlich besser gestimmt als noch im September (13,8 Saldenpunkte).

Auch im Bausektor bleibt die konjunkturelle Lage gut. Niedrige Zinsen und die Suche nach wertbeständigen Anlagen vor dem Hintergrund der Eurokrise sorgen für Attraktivität von Wohnungsbauinvestitionen. So lag im August der Auftragseingang im Hochbau um 17,6% über dem Vorjahr. Dementsprechend bleibt die Stimmung in den mittelständischen Baufirmen auf hohem Niveau stabil (15,9 Saldenpunkte).

Weniger rosig sind die Zeiten für das international stark engagierte Verarbeitende Gewerbe, das von der Rezession in weiten Teilen der Eurozone belastet wird. Gerade das Umfeld für die traditionell bedeutsame deutsche Automobilindustrie ist zunehmend schwierig (EU-Neuzulassungen im September: -10,8% gg. Vorjahr). Die Konjunktursorgen der Industrie haben sich entsprechend verstärkt (Mittelstand: -4,0 Saldenpunkte, Großunternehmen: -8,4 Saldenpunkte).

Die Entwicklung im Großhandel verlief uneinheitlich. Während die Mittelständler ein kaum verändertes Klima meldeten, verschlechterte sich die Stimmung bei den großen Firmen.

Aus der Sicht der befragten Unternehmen gibt es keinerlei Hinweise auf eine Beschleunigung der Inflation. Im Gegenteil: Die Unternehmen beider Größenklassen haben im Oktober ihre Absatzpreiserwartungen weiter zurückgenommen (Mittelstand: -0,4 Zähler auf -1,6 Saldenpunkte; Großunternehmen: -1,1 Zähler auf -3,9 Saldenpunkte). Erfreulich ist die anhaltende Stabilität der Arbeitsnachfrage. Trotz der zunehmenden konjunkturellen Skepsis schwächen sich die Beschäftigungserwartungen nur gering ab (Mittelstand: -0,6 Zähler auf 5,2 Saldenpunkte; Großunternehmen: -0,9 Zähler auf 5,2 Saldenpunkte).

"Die Indikatoren des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers zeigen, dass die Binnenkonjunktur in Deutschland intakt ist. Jedoch wird unsere international vernetzte Volkswirtschaft durch die tiefen Rezessionen in unseren europäischen Partnerländern zunehmend beeinträchtigt. Eine Abschwächung der Wachstumsdynamik war daher unvermeidlich und die konjunkturellen Abwärtsrisiken bleiben hoch. Positive Nachrichten von der realwirtschaftlichen Entwicklung in den Reformländern sind der Schlüssel zu einer nachhaltigen Erholung. Das OMT-Programm der EZB hat die Chancen dafür erhöht. Wichtig ist jetzt, dass auch die Privatwirtschaft in den Krisenländern wieder hinreichend mit Finanzmitteln versorgt wird, um die Rückkehr zu positiven Wachstumsraten zu erleichtern", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

KfW

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